Interview Carmen

seit dem 15. Juni, an dem du deine Arbeitsstelle bei uns als Jugendreferentin angetreten hast sind nun bereits sechs Monate vergangen. Hast du dich gut in Münsingen und dem CVJM eingelebt?

Kaum zu glauben, dass ich nun schon so lange hier bin – das halbe Jahr verging wie im Flug! Dies sagt auch schon einiges darüber aus, wie ich mich hier eingelebt habe: Ich wurde schnell echt gut in die Gemeinschaft im CVJM aufgenommen. Zeit für Langeweile und Fernweh blieb also gar nicht, bevor ich neue Kontakte knüpfen konnte 😊

Kontakte außerhalb des CVJM blieben bisher noch etwas auf der Strecke – wie auch, wenn man Kontakte eher einschränken soll…

Das beherrschende Thema in diesem Jahr ist die Corona-Pandemie die sich auch auf die Kinder- und Jugendarbeit auswirkt. Im Juni werden ja die Sommerfreizeiten geplant. Wie war es für dich in dieser Zeit die Verantwortung für diesen Arbeitsbereich zu übernehmen?

Ich war echt froh, dass ich zu Beginn noch Joni an meiner Seite hatte. Der musste für alle möglichen Fragen herhalten, damit viel „wie immer“ laufen konnte. Auch auf ein eingespieltes Mitarbeiterteam konnte ich mich echt gut verlassen, was mir den Rücken total gestärkt und freigehalten hat, damit ich mich um alle möglichen Corona-Regeln kümmern konnte. Manchmal habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, ob nun alle „die Neue“ für eine Spaßbremse halten, weil ich viele Ideen, KiBiWo-Ausflüge an die Lauter, andere geplante Dinge und Diskussionen mit der Begründung „Corona“ einfach plattgetrampelt habe – aber letztendlich konnten das alle gut verstehen und damit umgehen.

Eine weitere große Stütze war mir das Ordnungsamt: Die Verantwortung für einen Arbeitsbereich in neuer Umgebung bringt ohnehin immer schon manche Herausforderung und Unsicherheit mit sich; Mit Corona kam dazu anfangs eine sehr große weitere Unsicherheit. Hier konnten auch nicht einfach erfahrenere JugendreferentInnen oder Studienkolleginnen weiterhelfen – Corona war für alle neu. Ich wusste und weiß den engen Kontakt mit dem Ordnungsamt sehr zu schätzen. Immer wieder wurden alle möglichen Fragen beantwortet, Hygienekonzepte gegengelesen und Rückmeldungen gegeben. Diese gute Zusammenarbeit ist alles andere als selbstverständlich!

Dankbar bin ich dir für dein sehr großes Engagement bei der Klärung der sich, ständig verändernden Regelungen was in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit erlaubt ist. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Zunächst musste ich mich erst in die ganzen Verordnungen einarbeiten und an das „Vorschriftendeutsch“ gewöhnen. Da war es noch eine ziemliche Suche danach, welche zusätzlichen Unterverordnungen denn nun für uns gelten und welche nicht. Zu Beginn war das ziemlich frustrierend, da ich mich gerade einigermaßen sicher fühlte und dann die Verordnungen geändert wurden… Nachdem ich dann aber das Grundmuster durchdrungen hatte und die ersten Hygienekonzepte fertig waren, wurde es einfacher.

Eine große Schwierigkeit ist, dass die Verordnungen immer bereits am Tag nach ihrer Veröffentlichung gelten und meistens nachmittags oder abends veröffentlicht werden. Da bleibt sehr wenig Zeit. Nicht nur einmal saß ich verzweifelt am Telefon und habe (wie vermutlich viele Andere auch) versucht beim Ordnungsamt durchzukommen, um meine Fragen zu stellen. Daraufhin habe ich dann die MitarbeiterInnen noch kurzfristiger darüber informiert, was sie nun Neues beachten müssen. Oft erst ein paar Stunden vor der nächsten Jungschar… Nicht immer ist es dann einfach zu entscheiden: Sage ich nun das Angebot zu oder ab? Wie lange versuche ich noch etwas herauszubekommen, bevor ich die Entscheidung treffe?

Ich bin echt froh, so flexible und engagierte MitarbeiterInnen hier zu haben!

Konnten denn alle geplanten Sommerfreizeiten durchgeführt werden. Wo gab es Absagen oder

Einschränkungen?

Wir konnten im Endeffekt doch noch sehr viele Freizeiten durchführen. Einschränkungen gab es natürlich überall… aber trotzdem haben wir uns die gute Laune nicht verderben lassen! 😊

Durch die Kurzfristigkeit und den Zusätzlichen Pandemie-Aufwand fehlte es ziemlich an Vorbereitungszeit, weshalb wir die MEGA-WG auf ein Wochenende verkürzen mussten. Manch einem gefielen auch die zusätzlichen Putz- und Desinfektionsdienste nicht so gut, aber das gehörte eben genauso dazu wie der Spuckschutz, der noch schnell organisiert werden musste…

In den KiBiWo’s musste das Singen ausfallen und der Spielplatz durfte nicht genutzt werden. Dank der guten Vorbereitung der MitarbeiterInen konnte die Zeit im Freispiel aber gut mit anderen Spielsachen gefüllt werden, sodass die Frage nach dem Spielplatz kaum aufkam.

Für die KiBiTa gab es in diesem Jahr relativ wenige Anmeldungen. Das kam uns bei den Einschränkungen sehr zugute, da wir vieles als kleine Gruppe trotzdem noch machen durften.

Das Neu-denken-müssen hat auch manch positiven Effekt: So wurde zum Beispiel der Platz im großen Zelt sehr positiv wahrgenommen. Wieso kam man eigentlich nicht schon vorher auf die Idee…?!

Abgesagt wurde leider die Zeltstadt – schade!

Wie habt Ihr in den Zeiten, in denen keine Jungscharen und Jugendgruppen stattfinden konnte, den Kontakt zu den Teilnehmern gehalten?

Wir wurden vor den Sommerferien durch das EJW BUM mit Jungscharbriefen unterstützt. Diese Hilfe haben wir gerne angenommen: Ein bisschen wurde der Brief noch angepasst und dann gedruckt. Dank einiger fleißiger HelferInnen bekamen die Kinder dann eine Jungschar direkt in die Briefkästen verteilt.

Nach den Sommerferien konnten die Gruppen sehr lange (mit Einschränkungen) weitergeführt werden. Erst im Dezember mussten wir doch noch kurz vor den eigentlichen Weihnachtsferien die Türen schließen. Hier haben wir dann selbst eine Special-Weihnachts-Brief-Jungschar entworfen und verteilt – dieses Mal sogar mit kleiner Weihnachtsüberraschung… 😊

Kaum Probleme hatten wir im Treff ab 18: Bibel lesen und austauschen geht wunderbar online.

In den regelmäßig stattfindenden Mitarbeitertreffen konntest du nun alle Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit kennen lernen und erste Impulse setzen. Wie siehst du unsere Arbeit in diesem Bereich?

Ich nehme die Mitarbeitertreffen als etwas sehr wertvolles wahr! Neben der Zeit, die einzelnen Gruppen zu planen bleibt auch Zeit für den gruppenübergreifenden Austausch. Dadurch können Übergänge von Kindern und Jugendlichen in die nächste Gruppe gut gestaltet werden. Außerdem gibt es hier Raum, um Ideen auszutauschen und sich gegenseitig Ratschläge zu geben…

Durch die Treffen wird sichtbar, dass wir keine Einzelkämpfer sind, sondern gemeinsam mit anderen an Gottes Reich bauen und in die Kinder investieren. Mitarbeitende der Minijungschar können so miterleben, wie der Samen aufgeht, der in die Kinder gelegt wurd, und Mitarbeitende aus dem Jugendkreis bekommen mit, was in den Kindern angepflanzt wurde.

Was natürlich auch nicht zu kurz kommen darf ist die Gemeinschaft und die Andacht zum Auftanken für die Mitarbeitenden – immer nur geben kann schließlich niemand und das Ehrenamt soll ja nicht zum Burnout führen, sondern auch Spaß machen!

Neben der Begleitung der Mitarbeiter hat dich auch eine Anfrage der Schillerschule wegen einer Mitarbeit erreicht. Um was geht es dabei und wie läuft es?

Immer donnerstags betreue ich mittags einige SchülerInnen im Ganztagsangebot (GTA) der Schillerschule. Zu Beginn des Schuljahres konnten sich die SchülerInnen zwischen verschiedenen Angeboten entscheiden, die sie nun ein halbes Jahr lang besuchen. Mit meiner Gruppe bin ich kreativ unterwegs: Ein Highlight für die SchülerInnen war bisher das Befüllen ihrer selbstgebastelten Adventskalender-Schächtelchen. Aber auch beim Bemalen von Stofftaschen und beim Basteln von Weihnachtskarten ging es fleißig zur Sache…

Gestartet hatte ich das Angebot mit 6 SchülerInnen. Inzwischen haben 3 weitere aus anderen Angeboten dazu gewechselt. 😊 Es läuft also super und ich bin dankbar für die Möglichkeit hier Kinder zu erreichen, die ansonsten keinen Kontakt zum CVJM hätten – auch wenn es manchmal ganz schön anstrengend ist, da es für die SchülerInnen bei allem Spaß eben doch auch eine Pflichtveranstaltung ist und sie sich manchmal viel lieber mit ihren Freunden zum Schlittenfahren oder zocken treffen würden, als in der Schule zu bleiben.

Nun neigt das Jahr sich dem Ende zu. Wegen des Lockdowns ist Kinder- und Jugendarbeit bis voraussichtlich 10. Januar 2021 nicht mehr möglich. Was wünscht du dir für 2021 und vor welchen Herausforderungen steht die christliche Kinder- und Jugendarbeit?

Super wäre natürlich, wenn das Virus nicht mit ins neue Jahr kommen würde. Das wird nur leider ein Wunsch bleiben. Ich hoffe, dass trotz allem viele Angebote in 2021 wie bisher gewohnt stattfinden können. Für die Kinder und Jugendlichen ist diese außerschulische Form der Bildung und auch die Freizeitgestaltung etwas ganz Wichtiges. Sie bildet den geschützten Rahmen für viele Entwicklungsprozesse, die die jungen Menschen durchlaufen und bietet genug Freiraum sich auszuprobieren. Hier liegt auch die große Herausforderung: Wie kann genug Freiraum geschaffen werden, sich auszuprobieren, wo doch vieles nicht geht? Wo können bei aller Distanz zueinander soziale Kompetenzen erlernt werden? Wie können Angebote zuverlässig und gut geplant und vorbereitet werden, während sich die Vorgaben immer wieder ändern? Christliche Kinder- und Jugendarbeit zeichnet sich von anderen Arten der Jugendarbeit durch ihre Vielfalt ab: Im Sportverein wird Sport gemacht, im Musikverein Musik… Neben christlichen Inhalten ist in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit alles möglich. Dadurch gilt auch eine Vielfalt an Corona-Regeln, die zu beachten sind.

Daneben gibt es natürlich die „normalen“ Herausforderungen, die bestehen bleiben: Angebote mit attraktiven Inhalten zu füllen, die gleichzeitig günstig aber nicht „billig“ und langeilig sind; Am Puls der Zeit bleiben; Das Evangelium so attraktiv gestalten, dass es für die Kinder und Jugendlichen zur Hauptsache wird; Auf „Störenfriede“ in den Gruppen reagieren; Kinder unterschiedlichster Interessen an einen Tisch bringen… – Jugendarbeit ist immer eine Herausforderung, aber gerade das macht es ja auch abwechslungsreich, spannend und sorgt immer wieder dafür, auch selbst zu wachsen. Und wenn man sich bewusst macht, dass dabei in Menschen investiert wird und Kinder und Jugendliche die wichtigste Botschaft der Welt hören und erleben, dann ist das die Herausforderungen definitiv wert!

Danke Carmen für das Gespräch!

Menü