Start Asyl-Arbeit Gruppen Aktionen Freizeiten Haus Über uns Sponsoren Nah und Fern Impressum
Impuls

Was zum Nachdenken.

Der vielleicht größte blinde Fleck des Darwinismus ist seine Sicht vom Menschen. Ein höher entwickeltes Säugetier, nur graduell verschieden vom Affen. Niemand wird die Nähe zwischen Affen und Menschen bestreiten, wenn es um den Körper geht. Doch gerade in Anbetracht dieser Nähe fällt das Trennende umso deutlicher auf. Der Materialismus unterschlägt das, was er nicht erklären kann: den Geist. Dass ein Lebewesen eben nicht nur mit Steinen auf Kokosnüsse schlägt, sondern irgendwann „ich“ sagt. Dass es von der Kokosnuss wegsehen und über sein eigenes Handeln nachdenken kann, das ist nicht graduell sondern kategorial verschieden von der mentalen Leistung eines Tieres.

Auch fast 200 Jahre nach Darwin haben wir wenig Ahnung, warum ausgerechnet der Mensch Kunst schafft und nicht der Affe. Warum Menschen religiös sind. Warum sie sprechen. Und so ziemlich alles, was wir über die ältesten Spuren der Menschheit herausfinden, passt nicht so recht ins Bild. Sanskrit gilt als eine der ältesten bekannten Sprachen und ist dabei eine der komplexesten Sprachen der Menschheit mit unzähligen Flexionsreihen und Stammformen. Wir wissen nicht, warum die Menschen zu dichten und zu philosophieren begannen. Auch hier ist das Bild der graduellen Entwicklung ein trügerisches. Die „Ilias“ des Homer gehört zu den ältesten literarischen Werken der Menschheit. Ihre Sprache ein Meisterwerk des Griechischen, voll differenzierter Wortgewalt in perfekter Metrik, die Figuren kontrastreich gezeichnet. Ähnliches ließe sich über Handwerk und Architektur sagen. Erstaunlich ist, wie kunstfertig und vollständig schon die ältesten Funde sind. Von Vielem, was die angeblich so primitiven Menschen früherer Zeiten hervorbrachten, weiß man bis heute nicht, wie sie es überhaupt schafften.

Der Darwinismus erzählt die Geschichte von der Entstehung des Geistes aus der Materie. Irgendwann habe sich das Sippenverhalten des Stammes in eine Moral verwandelt, sei die Sprache aus primitiven Grunzlauten entstanden. Je näher man sich mit der Forschung in all diesen Bereichen beschäftigt, desto klarer zeichnet sich das Problem ab. Selbstverständlich gibt es im Raum des Geistes Entwicklung. Doch den Geist überhaupt nicht als eigenständige Größe wahrzunehmen, kann nur als gigantische Blindheit bezeichnet werden. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: mit Hilfe seiner Intelligenz beschreibt ein Biologe die Welt und kommt zu dem Schluss, dass es keiner Intelligenz im Universum bedürfe, den Menschen hervorzubringen. Der materialistische Denker verwendet seinen eigenen Geist um zu beweisen, dass es außerhalb des menschlichen Schädels keinen Geist gebe, das Universum also dümmer ist als das Geschöpf, das ihm entstammt. Der menschliche Geist komplexer als das, was ihn hervorgebracht hat. Wirklich? Der Reduktion des Geistes auf die Materie liegt ein Kategorienfehler zugrunde. Es gibt Entwicklung. Doch entwickeln kann sich nur etwas, das schon da ist. Woher der Geist kommt, kann kein Biologe erklären. Fände er ihn nicht schon vor, könnte er selbst keinen sinnvollen Satz sagen. Denn bereits die Kategorien von wahrer und falscher Übereinstimmung ist eine Kategorie des Geistes: sie kommt nirgends in der Materie vor. Der Materialismus ist philosophisch selbstwidersprüchlich. Geleitet wird er allein von dem trügerischen Bild des Wachstums von selbst aus Einfachem ins Komplexe. Freilich sieht man solches in der Biologie: ein großer Baum wächst aus einer kleinen Eichel. Was das Bild jedoch oft übersieht: die Eichel selbst stammt von einem ganzen Baum, sie ist nicht von selbst aus dem Sand entstanden. Ebensowenig entsteht der Geist aus biologischem Leben und ist reduzierbar darauf. Die materialistische Reduktion des menschlichen Geistes auf seine materielle Dimension teilt das Problem jedes Reduktionismus: er erklärt das in Frage Stehende, sondern ersetzt es durch eine unterkomplexe, nach unten skalierte Version. Doch das Gesetz eben dieser reduktionistischen Skalierung kann selbst nicht aus den Daten hergeleitet, sondern muss dogmatisch gesetzt werden.


Dr. Johannes Hartl